Bunte Streifen auf Schultern und Waden gehören seit Jahren zum Bild bei jedem Volkslauf. Was das Tape tatsächlich bewirkt, ist fachlich weniger eindeutig, als die Verbreitung vermuten lässt. Deshalb hier beides: die Praxis - und eine ehrliche Einordnung.
Kinesiologie-Tape und Sport-Tape sind zwei verschiedene Dinge
Das wird ständig verwechselt, ist aber der zentrale Unterschied.
Starres Sport-Tape
Unelastisch, meist Baumwollgewebe mit Zinkoxid-Kleber. Seine Aufgabe ist es, ein Gelenk in einer bestimmten Richtung zu blockieren - zum Beispiel den Knöchel gegen Umknicken zu sichern. Es schränkt die Beweglichkeit bewusst ein und wird meist nur für die Dauer einer Belastung getragen.
Kinesiologie-Tape
Elastisch, bis etwa 160 % dehnbar, mit einem wellenförmig aufgetragenen Acrylkleber. Es blockiert nichts, sondern begleitet die Bewegung. Getragen wird es über mehrere Tage.
Wenn du also ein instabiles Sprunggelenk für ein Fußballspiel sichern willst, brauchst du starres Sport-Tape, kein Kinesiologie-Tape.
Was die Studienlage hergibt
Ehrlich gesagt: kein eindeutiges Bild. Es gibt Untersuchungen, die einen Effekt auf Schmerzempfinden und Bewegungsgefühl zeigen, und es gibt Untersuchungen, die keinen Unterschied zu einem Placebo-Tape finden. Die Erklärungsmodelle - Anhebung der Haut, verbesserter Lymphabfluss, Reizung von Hautrezeptoren - sind plausibel, aber nicht abschließend belegt.
Was sich sagen lässt: Viele Menschen berichten, dass es ihnen hilft, und das Risiko ist gering. Was sich nicht sagen lässt: dass es eine Verletzung heilt oder eine Therapie ersetzt. Ob Tapen in deinem Fall sinnvoll ist und wie es angelegt gehört, beantwortet dir dein Physiotherapeut oder Arzt besser als jede Anleitung im Netz.
So hält das Tape wirklich
Der häufigste Grund für ein Tape, das sich nach zwei Stunden an den Ecken löst, ist die Vorbereitung.
- Haut sauber, trocken und fettfrei. Keine Bodylotion, kein Sonnenöl. Wenn nötig mit etwas Alkohol entfetten und trocknen lassen.
- Starke Behaarung kürzen. Nicht rasieren - frisch rasierte Haut ist gereizt. Kurz scheren reicht.
- Ecken abrunden. Runde Ecken bleiben deutlich länger kleben als rechtwinklige, weil sie nirgends hängen bleiben.
- Anfang und Ende ohne Zug. Die ersten und letzten drei bis fünf Zentimeter (die „Anker“) werden immer spannungsfrei aufgeklebt. Wenn der Anker unter Zug steht, zieht er sich selbst ab.
- Haut in Vordehnung. Der zu tapende Bereich wird in die gedehnte Position gebracht - beim Nacken zum Beispiel Kopf nach vorn - und in dieser Stellung geklebt.
- Anreiben. Nach dem Aufkleben kräftig mit der Handfläche drüberreiben. Der Acrylkleber ist thermoplastisch: Er verbindet sich erst durch Wärme richtig mit der Haut.
- 30 Minuten Ruhe vor der ersten Belastung. Also nicht direkt vor dem Start kleben.
Tragen, duschen, abnehmen
Ein gut geklebtes Tape hält in der Regel drei bis fünf Tage, auch beim Duschen, Schwimmen und Schwitzen. Nach dem Wasser einfach mit dem Handtuch abtupfen, nicht reiben und nicht föhnen.
Zum Abnehmen: nicht ruckartig abziehen. Am angenehmsten geht es unter der Dusche, wenn das Tape aufgeweicht ist - in Wuchsrichtung der Haare, flach am Körper entlang abrollen und die Haut dabei mit der anderen Hand gegenhalten. Etwas Öl hilft bei Resten.
Wann du es nicht anwenden solltest
- Auf offener, gereizter, sonnenverbrannter oder infizierter Haut
- Bei bekannter Allergie gegen Acrylkleber
- Über frischen Narben und auf sehr dünner, empfindlicher Haut
- Bei ungeklärten, anhaltenden oder plötzlich starken Beschwerden - da gehört eine Diagnose davor, kein Tape darüber
- Bei Thrombose, offenen Wunden oder unklaren Schwellungen: erst ärztlich abklären
Wenn es unter dem Tape juckt, brennt oder die Haut sich rötet: abnehmen. Das ist keine Gewöhnungssache.
Häufige Fragen
Haben die Farben eine Bedeutung?
Nein. Es gibt Konzepte, die Farben unterschiedliche Wirkungen zuschreiben - dafür gibt es keine belastbare Grundlage. Physikalisch sind alle Farben identisch. Nimm die, die dir gefällt.
Welche Breite brauche ich?
5 cm ist die Standardbreite und deckt fast alles ab. Für Finger und kleine Bereiche schneidet man das Tape längs.
Kann ich mich selbst tapen?
Bei einfachen Anlagen an Unterarm, Wade oder Knie ja. An Schulter und Rücken wird es allein schwierig. Für eine gezielte Anlage bei konkreten Beschwerden ist die Physiotherapie der bessere Weg.
Wie viel Dehnung braucht das Tape?
Weniger, als die meisten denken. Für die übliche Muskelanlage reichen 10 bis 25 % Zug im mittleren Teil - die Anker bleiben immer ohne Zug. Zu viel Spannung ist der zweithäufigste Grund für Hautreizungen.
Ist Medikament im Tape?
Nein. Kinesiologie-Tape ist frei von Wirkstoffen - es besteht aus Baumwolle, Elastan und Kleber.
Was ist Boobtape?
Ein Tape mit derselben Grundidee, aber für einen anderen Zweck: Boobtape wird als Klebe-BH unter Kleidung eingesetzt, nicht zur Unterstützung von Muskeln.
Mehr dazu: alle LisaCare Tapes. Hinweis: Dieser Text ersetzt keine ärztliche oder physiotherapeutische Beratung.
