Brennnesseljauche ist der älteste Gartendünger, den es umsonst gibt - vorausgesetzt, du hast eine Ecke mit Brennnesseln und zwei Wochen Geduld. Sie ist vor allem eines: stickstoffreich. Und das entscheidet darüber, wann sie gut ist und wann sie schadet.
Was Brennnesseljauche eigentlich ist
Brennnesseln sammeln viel Stickstoff in ihren Blättern. Lässt man sie in Wasser vergären, zersetzen Bakterien das Pflanzenmaterial und die Nährstoffe gehen ins Wasser über - in einer Form, die Wurzeln direkt aufnehmen können. Neben Stickstoff sind Kalium und eine Reihe Spurenelemente dabei.
Stickstoff ist der Nährstoff für Blatt und Trieb. Eine Pflanze, die Stickstoff bekommt, wird grün und wächst. Das ist im Frühjahr und Frühsommer genau richtig - und im Spätsommer genau falsch.
Selbst ansetzen: die Kurzanleitung
- Sammeln. Etwa 1 kg frische Brennnesseln auf 10 Liter Wasser. Am besten vor der Blüte geschnitten, dann ist der Nährstoffgehalt am höchsten. Grob zerkleinern.
- Gefäß wählen. Kunststoff oder Holz, kein Metall - die Jauche reagiert damit. Nicht randvoll füllen, sie schäumt.
- Wasser drauf. Regenwasser ist ideal, Leitungswasser geht auch.
- Abdecken, aber nicht luftdicht. Ein Gitter oder Holzdeckel hält Laub und Tiere draußen und lässt Gärgase entweichen.
- Täglich umrühren. Das bringt Sauerstoff hinein und beschleunigt den Prozess.
- Warten. Je nach Temperatur 10 bis 20 Tage. Fertig ist sie, wenn sie nicht mehr schäumt und dunkelbraun ist.
Zum Geruch: Der ist real und deutlich. Eine Handvoll Gesteinsmehl oder Baldrianblütenextrakt dämpft ihn spürbar. Stell das Fass nicht direkt unter das Schlafzimmerfenster des Nachbarn.
Wenn du weder Platz noch Nase dafür hast: Unsere GreenPanda Brennnesseljauche ist fertig vergärt und mit einem Boden-Hilfsstoff versetzt, der den typischen Jauchegeruch mindert. Ganz geruchsfrei ist Jauche allerdings nie.
Verdünnen - und zwar richtig
Unverdünnte Jauche verbrennt Wurzeln. Das ist kein theoretisches Risiko, das passiert wirklich.
Für selbst angesetzte Jauche haben sich diese Werte etabliert:
- 1:10 (1 Liter Jauche auf 10 Liter Wasser) zum Gießen bei kräftigen Starkzehrern
- 1:20 für alles Übrige und für junge Pflanzen
- 1:50 als Blattspritzung, und dann nur abends oder bei bedecktem Himmel
Bei einem gekauften Konzentrat gelten diese Zahlen nicht - dort steht die Dosierung auf dem Etikett, weil der Gehalt anders eingestellt ist. Halte dich an die Angabe auf der Flasche.
Wann und wie oft
Gieße immer auf feuchten Boden, nie auf trockene Erde. Trockene Wurzeln nehmen die konzentrierte Nährlösung zu schnell auf. Also erst mit klarem Wasser angießen, dann düngen.
Am besten am frühen Morgen oder Abend, nicht in der prallen Mittagssonne. Direkt an die Wurzel, nicht über die Blätter.
Rhythmus: etwa alle 10 bis 14 Tage während der Hauptwachstumszeit.
Wer sie mag - und wer nicht
Dankbar dafür
Tomaten, Gurken, Zucchini, Kürbis, Kohl aller Art, Sellerie, Lauch, Rhabarber, Mais - also die klassischen Starkzehrer. Auch Rosen, Stauden und Rasen im Frühjahr.
Besser sparsam oder gar nicht
- Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen): Die versorgen sich über Knollenbakterien selbst mit Stickstoff. Zusätzlicher Stickstoff bringt viel Laub und wenig Ertrag.
- Kräuter wie Thymian, Rosmarin, Salbei, Lavendel: Die mageren Standort gewohnt sind, verlieren bei zu viel Stickstoff Aroma.
- Zwiebeln und Knoblauch: zu viel Stickstoff geht in das Laub statt in die Knolle.
- Frisch gepflanzte Sämlinge: erst anwachsen lassen, dann düngen.
Der wichtigste Zeitpunkt: wann du aufhörst
Ab etwa Ende Juli / Anfang August solltest du mit Stickstoffdünger aufhören. Der Grund: Stickstoff treibt weiches, saftiges Gewebe. Triebe, die im Spätsommer noch neu gebildet werden, reifen bis zum Frost nicht mehr aus - und erfrieren dann als Erstes. Bei Obstgehölzen und Rosen ist das der häufigste Grund für Frostschäden.
Ab August ist eher Kalium gefragt, das die Frosthärte unterstützt. Auch Acker-Schachtelhalm ist dann ein sinnvollerer Begleiter, weil es um Zellstabilität statt um Wachstum geht.
Häufige Fragen
Hilft Brennnesseljauche gegen Blattläuse?
Das liest man oft. Rechtlich ist die Sache klar: Brennnesseljauche ist ein Dünger, kein Pflanzenschutzmittel - und ohne Zulassung darf sie auch nicht so beworben werden. Wir tun das deshalb nicht. Was unstrittig ist: Eine gut versorgte Pflanze steht insgesamt stabiler da.
Wie lange ist Jauche haltbar?
Selbst angesetzte Jauche hält in einem abgedeckten Gefäß einige Monate, verliert aber über den Winter an Wirkung. Fertigprodukte richten sich nach dem Haltbarkeitsdatum auf der Flasche.
Kann ich zu viel düngen?
Ja, und man sieht es: dunkelgrüne, große, weiche Blätter, lange Triebe, wenig Blüten und Früchte. Bei Tomaten heizt Überdüngung außerdem das Blättwerk auf Kosten der Früchte an. Weniger ist hier oft mehr.
Darf ich die Jauche auf den Rasen geben?
Ja, im Frühjahr und Frühsommer, verdünnt und auf feuchten Boden. Danach gut wässern.
Was mache ich mit dem Bodensatz?
Der Pflanzenrest kommt auf den Kompost oder direkt als Mülch unter Starkzehrer.
Mehr dazu: alle GreenPanda Düngemittel und der Ratgeber Acker-Schachtelhalm im Garten.
